Orchesterklang und Kerzenschein

Orchesterklang und Kerzenschein

Das Weihnachtskonzert des Goethe-Gymnasiums ist für viele aus Ibbenbüren und Umgebung die wichtigste Einstimmung auf das Fest überhaupt. So ist es kein Wunder, dass die beiden Aufführungen am Mittwoch und am Donnerstag in der großen Mauritiuskirche ausverkauft waren.

Direktor Andreas Tangen würdigte bei der Begrüßung die Energie, Disziplin und Begeisterungsfähigkeit von Heiner Vornhusen; dies sei das 36. aber nun auch das letzte Weihnachtskonzert, das von ihm geleitet werde.

Dankbar und hochkonzentriert musizierten über 250 Schüler Werke von traditioneller bis hin zu zeitgenössischer Musik. Selbst eine Handvoll Ehemaliger, die sich in den hinteren Reihen dazu gesellt hatten, überließen sich nicht der Wehmut. Stattdessen sorgten alle nach intensiven, aber auch beglückenden Proben mit ihren beeindruckenden Interpretationen für einen stimmungsvollen, bewegenden Abend.

Festlich eröffneten Chor (Ltg. Ralf Junghöfer) und Orchester (Ltg. Heiner Vornhusen) das Konzert mit „Tollite hostias“ aus dem Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saëns. Anschließend genoss das Publikum einen wunderbaren Farbwechsel bei der „Sinfonia musicali“ (1610) von Lodovico Viadana. Gekonnt leitete dabei Oliver Buttke die Streicher, Holzbläser und Blechbläser in zwei Instrumentalchören durch deren Abschnitte mit den Titeln „Mantua“ und „Cremona“.

Später widmeten sich Chor und Orchester unter dem kompetenten und animierenden Dirigat von Vornhusen und Junghöfer zeitgenössischen Kompositionen mit ebensolchen Themen. Dabei war es den Sängern und Spielern anzumerken, dass sie diese Musik schätzten und von den Texten spürbar bewegt waren. Diese Ergriffenheit steigerte nochmals die Ausdrucksstärke von Chor und Orchester, was besonders bei der anlässlich des Kosovo-Krieges geschriebenen Friedensmesse „The Armed Man“ von Karl Jenkins deutlich wurde. Da gab es wohl keinen Hörer oder Ausführenden, dem es nicht bei dem Marschrhythmus zu Beginn oder beim innig gespielten Violocello-Solo (Marie Kohls) aus dem Benedictus kalt den Rücken heruntergerieselt wäre. Nicht minder beeindruckend war der Vortrag von John Rutters „The Beauty of the Earth“ (Die Schönheit der Erde) – die es zu bewahren gilt – oder das „Hallelujah für Chor und Klavier (Sarah Kim) von Leonhard Cohen.

Unbefangene heitere Stimmung löste dagegen „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ mit seinen Variationen (Arrang. Julia Schröter) aus. Die Junior-Streicher, -bläser und Schlagzeug spielten abwechslungsreich und herzerfrischend (Ltg. Christine Rudolf). Besonderes Aufsehen erregte der Einzug des Aufbauchores unter den Orgelklängen von Johann Sebastian Bachs Pastorale in F-Dur, die Alexandra Horn und Hannah Kleingünther außerordentlich stimmig intonierten. In der verdunkelten Kirche war das „Quempas-Singen“ (Michael Praetorius) der Kerzen tragenden Kinder höchst wirkungsvoll.

Mit „An English Christmas Carol Suite“ von Peter Young wurde nochmals eine neue Seite aufgeschlagen, ehe das Konzert traditionell mit dem „Hallelujah“ aus Georg Friedrich Händels „Messias“ zu Ende ging: 20 Jahre lang hatte zwischen dem Orchester der Europa-Schule unter Federführung von Vornhusen und dem Orchester von Sevenoaks unter Leitung von Peter Young ein Austausch gegeben. Diese Gemeinschaftserlebnisse waren für alle ähnlich prägend wie die Weihnachtskonzerte. Deshalb hatte Young seine Suite dem Chor und Orchester des Goethe-Gymnasiums gewidmet und war auch extra zu dieser Aufführung angereist.

So galt ein Teil des stürmischen Beifalls auch ihm. Auch nach dem abschließenden Singen aller brandete der Applaus immer wieder neu auf und wollte einfach kein Ende nehmen.

Quelle: Ibbenbürener Volkszeitung, 14.12.2018 – Sunhild Salaschek (Autorin)
©ivz.medien GmbH & Co. KG , alle Rechte vorbehalten.

Bildrechte: ivz-aktuell.de, 13.12.2018 – Brigitte Striehn (Fotografin)
©ivz.medien GmbH & Co. KG , alle Rechte vorbehalten.