Schulsekretärin und Pädagoge am Goethe-Gymnasium in Ruhestand verabschiedet

„Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ - der Titel von Joachim Meierhoffs Bestseller bringt die Stimmung auf der besonderen Dienstbesprechung gegen Ende des 1. Halbjahres gut zum Ausdruck: Kollegium, Mitarbeiter, Elternvertreter und zahlreiche pensionierte Lehrkräfte und Wegbegleiter hatten sich in der Mensa versammelt, um mit dem Deutsch- und Philosophielehrer Dr. Gerd Gerhardt sowie der Schulsekretärin Brigitte Hagedorn zwei Urgesteine des Goethe-Gymnasiums in den Ruhestand zu verabschieden. Zu der stimmungsvollen Feier trugen das Orchester und der Aufbauchor mit Werken von Rossini und John Rutter bei.

Schulleiter Andreas Tangen würdigte in seiner Laudatio zunächst die besonderen Verdienste Dr. Gerhardts, der die Fächer Philosophie, Sprach-, Literatur- und Theaterwissenschaften studiert hat. Bereits 1984 kam er ans „Goethe“ und machte sich dort bei Generationen von Schülern durch seinen „sorgfältig geplanten, spannenden, fordernden Unterricht“ einen Namen. „Den Begriff der Bildung und die Aufgabe der Begabtenförderung“ beschrieb der Schulleiter als zentrale Elemente der Tätigkeit des Kollegen. Dass diesem auch der Ausbildungsauftrag für Referendare besonders am Herzen lag, sieht man daran, dass Dr. Gerhardt Fachleiter für beide Fächer – seit 1996 für Deutsch, seit 2002 auch für das Fach Philosophie - am Studienseminar Rheine war.

Die Auflistung der zahlreichen Impulse, die Dr. Gerhardt der Schule in den Jahrzehnten seiner Lehrtätigkeit gegeben hat, ist lang. So gründete er die Schulzeitung mit, initiierte die Gründung des Fördervereins, war Kulturkontaktlehrer und organisierte die im Jahr 2000 neu eingerichtete Schulbibliothek mit. Dem studierten Theaterwissenschaftler war die Theaterarbeit ein besonderes Anliegen. Dementsprechend brachte er die Schüler ins Theater und durch die Einladung von Schauspielern und Theaterpädagogen das Theater in die Schule. Durch die Gründung des „GoeTheAters“, das lange Jahre zu den renommiertesten Schultheatern in NRW gehörte, haben auch einige Schüler ihre professionelle Berufung für die Bühne entdeckt. Ein zweites großes Steckenpferd wurde die internationale Philosophie-Olympiade, die Dr. Gerhardt 1995 mit vier Kollegen in Südbulgarien mitbegründete. Zuvor hatte er bereits den Landeswettbewerb „Philosophischer Essay“ initiiert und später die philosophische Winterakademie, die darüber entscheidet, wer Deutschland bei der Philosophieolympiade vertreten kann. Darüber hinaus war der Pädagoge auch literarisch tätig. So wirkte er nicht nur an Lehrwerken für beide Fächer mit und verfasste Radiosendungen für den WDR sowie Schulfunksendungen für den Bayerischen Rundfunk, sondern veröffentlichte auch zahlreiche journalistische Publikationen wie Theaterrezensionen oder 66 Glossen über Johann Wolfgang von Goethe. Für seine Fähigkeiten im Bereich des kreativen Schreibens erhielt er ein Stipendium der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel. „Es ist schon beeindruckend, was du so alles produziert hast“, fasste der Schulleiter die vielen Talente des geschätzten Kollegen zusammen und dankte ihm ebenso wie die Fachschaften für seinen „ganz außergewöhnlichen Einsatz“ für die Schule. In seinem Abschiedsvortrag schaute Dr. Gerhardt humorvoll, selbstironisch, aber auch nachdenklich auf den Lehrberuf und „Hurra-Erlebnisse“ zurück. Dabei stellte er die „Achtung vor der Würde einer Person“ und das „Fachwissen“ als „Gebote“ in den Vordergrund, „damit wir gemeinsam die Welt entdecken, die Welt und uns etwas genauer verstehen und aus dem verstehenden Anschauen heraus unmenschliche Zustände eindämmen.“ 

Die Sekretärin Brigitte Hagedorn kam 1981 ans Goethe-Gymnasium und wurde in allen Dankesreden als der „gute Geist der Schule“ beschrieben. Andreas Tangen stellte ihre außergewöhnliche Identifikation mit der Schule heraus, die ihr zu einem zweiten Zuhause geworden sei. Mit ihrer Persönlichkeit sei sie für alle da gewesen, immer um eine menschliche Note bemüht. „In den letzten 36 Jahren war sie für die Eltern und für die Kinder das Gesicht des ‚Goethe‘ schlechthin; ein Gesicht, das Freundlichkeit und Herzlichkeit ausstrahlte und jedem das Gefühl gab, hier herzlich willkommen zu sein.“ Wie recht der Schulleiter mit seiner Wahrnehmung hatte, dass Brigitte Hagedorn für viele eine „kompetente, vertrauensvolle Ansprechpartnerin“ war, wurde auch in der Ansprache des Elternvertreters Stephan Schmitz deutlich. Er dankte der „Mutter Theresa“ des Goethe-Gymnasiums, die den Kindern als „Außenstelle“ der Eltern bei allerlei kleinen und größeren Wehwehchen beigestanden habe. Stellvertretend für das Kollegium überreichte der Lehrerrat Brigitte Hagedorn eine vom Kollegium liebevoll gestaltete Sonderausgabe der „Brigitte“, in der u.a. ihre Verdienste als „gute Fee, Blitzableiter oder Schutzwall“ zum Ausdruck gebracht wurden. Auch der frühere Schulleiter Dr. Hans-Joachim Czoske ließ es sich nicht nehmen, seinen Dank für die loyale Unterstützung auszusprechen. Seine ermunternden Worte für den nächsten Lebensabschnitt passten zur Botschaft von John Rutters „Schau auf die Welt“, mit dem musikalisch gute Wünsche zum Ausdruck gebracht wurden.

„Es war einfach nur schön“ – so das Fazit Brigitte Hagedorns, die auf 36 erfüllte Berufsjahre an ihrer Schule auch mit Wehmut zurückblickte, bevor sie mit Standing Ovations gefeiert wurde.