Habe es keinen Tag bereut“ - Immer mehr Seiteneinsteiger im Lehrerberuf

Ralf Junghöfer „ein Glücksfall“ am Goethe

Quelle: IVZ, Montag, 13. Februar 2017, von Cornelia Ruholl

„Ich habe es noch keinen einzigen Tag bereut“, sagt Ralf Junghöfer. Seit fünfeinhalb Jahren ist der studierte Kirchenmusiker Musiklehrer am städtischen Goethe-Gymnasium in Ibbenbüren. Er ist ein Quereinsteiger in diesem Beruf.

Ralf Junghöfer wechselte vor mehr als fünf Jahren den Beruf und wurde Musiklehrer am Goethe-Gymnasium.

IBBENBÜREN. Die Landesregierung nennt es Seiteneinsteiger und hat in den letzten Jahren vermehrt Lehrer eingestellt, die aus anderen Berufen kamen. Laut Christiane Klein von der Pressestelle der Bezirksregierung Münster wurden im Regierungsbezirk Münster im Mai 2016 30 und im November 2016 31 Quereinsteiger eingestellt. Auch unter den zum 1. Februar 2017 neu eingestellten Lehrern sind im Regierungsbezirk Münster erneut 15 Quereinsteiger, davon acht an Grundschulen, drei an Gesamtschulen, zwei an Sekundarschulen und zwei an Berufskollegs.

Ralf Junghöfer hatte schon nach dem Abitur überlegt, ob er nun Kirchenmusik studieren oder doch Musik für das Lehramt wählen solle, erinnert sich Ralf Junghöfer, der im ersten Beruf Kirchenmusiker und Kantor an St. Mauritius Ibbenbüren war. „Ich habe das gern gemacht“, sagt Junghöfer. Aber dennoch habe er schon vor Jahren immer mal wieder „über den Zaun geguckt“ und überlegt, ob es nicht möglich wäre, in den Lehrerberuf zu wechseln. Erfahrung im Umgang mit jungen Menschen hatte er ja durch seine Arbeit als Chorleiter schon.

Und dann suchte das Goethe-Gymnasium einen Musiklehrer. Schulleiter Andreas Tangen setzte sich mit dem Musiklehrer und Leiter des Goethe-Orchesters, Heiner Vornhusen, zusammen und überlegte, wer wohl geeignet wäre für diese Aufgabe. „Wir haben in Musik ein überdurchschnittlich hohes Niveau“, so Tangen. So wurde gezielt jemand gesucht, der den Anforderungen gerecht werden und das Niveau halten könnte. Und so rief am Ende Andreas Tangen bei Ralf Junghöfer an.

Für das Goethe-Gymnasium sei Junghöfer ein Glücksfall, so Tangen. Er sein „ein Beispiel, wo es traumhaft funktioniert“. Aber selbst für einen Fachmann wie ihn, der unter anderem jahrzehntelang als Chorleiter Erfahrung hatte (Tangen: „Anna-Doris Capitelli hat schon bei ihm im Kinderchor gesungen.“), sei das „ein harter Schlauch“. Die Ausbildung sei „extrem anstrengend.“

Der Seiteneinstieg sei „mit einem ganz normalen Referendariat verbunden“, erzählt Junghöfer. An der Uni Münster absolvierte er gemeinsam mit damals etwa 15 anderen Seiteneinsteigern die pädagogische Ausbildung. Die meisten hatten die Fächer Mathe oder Physik. Drei Musiker waren dabei. Sie alle waren angetreten, die „Kunst des Lehrens zu lernen“. Wie wichtig das ist, unterstreicht Andreas Tangen. Viele seien der Meinung, wenn man nur das Fach gut beherrsche, dann könne man das Unterrichten schon auch noch. „Aber dem ist nicht so.“

Und: „Je älter man ist, umso schwerer lernt es sich“, erläutert Tangen, was unter anderem den Umstieg für Seiteneinsteiger zur Herausforderung macht. Und neben der Theorie hatte Junghöfer, der sich mit 48 Jahren für den Umstieg auf den Lehrerberuf entschied, der eigenen Unterrichtsverpflichtung am Goethe-Gymnasium nachzukommen. Mit fast 18 Stunden. „Die viele Arbeit habe ich so nicht erwartet“, sagt Junghöfer, „aber viel Arbeit belastet mich nicht.“

Belastend sei das, „wenn man nicht den richtigen Kontakt zu den Schülern findet“, ergänzt Schulleiter Tangen. „aber wir haben das Glück, dass die Schüler ihn lieben“. Und daneben gewinnt Ralf Junghöfer dem Lehrerberuf noch andere gute Seiten ab: „Als Kirchenmusiker war ich Einzelkämpfer, jetzt habe ich 100 Kollegen, das ist eine schöne Erfahrung“. Besonders liebt er es, in der Oberstufe mit den Schülern über Musik zu philosophieren. „Ich habe immer jemanden, der dagegen spricht. Das finde ich spannend.“

Vorbehalte im Kollegium gegen den Quereinsteiger habe er nicht gespürt, sagt Junghöfer. Lehrerverbände haben einen durchaus kritischen Blick auf die Einstellung von Seiteneinsteigern. Sie betonen, dass neben fachlicher eben auch umfassende didaktische Kompetenz wichtig sei. Und auch Andreas Tangen – so begeistert er im konkreten Fall von Musiklehrer-Seiteneinsteiger Ralf Junghöfer ist – hat Bedenken, Lehrermangel über die Einstellung von Seiteneinsteigern beheben zu wollen. „Aber ich weiß auch nicht, welche Alternativen man hätte“.

Wichtig ist es seiner Meinung nach auf jeden Fall, „vernünftige Bedingungen“ zu schaffen, die den Beruf attraktiver machen.

Anreize für Personalgewinnung

1229 Lehrer wurden in Nordrhein-Westfalen zum 1. Februar 2017 eingestellt. Aber 630 Stellen blieben unbesetzt. In dieser Situation wolle man „nichts unversucht lassen“, die Einstellung von Lehrern zu erleichtern, teilte Schulministerin Sylvia Löhrmann Anfang vergangener Woche mit. So soll es der Wegfall der Hinzuverdienstgrenze für Ruheständler (bis Ende 2019) für pensionierte Lehrer attraktiver machen, zu unterrichten. Es gibt Anreize für verbeamtete Lehrer, die über die Ruhestands-Altersgrenze hinaus arbeiten wollen (u.a. erhöhter Ruhegehaltssatz). Und es gibt neue Anreize für Seiteneinsteiger: Bewerbern, die „für den Lehrerberuf nützliche berufliche Vorerfahrung“ haben und als Lehrkräfte gewonnen werden sollen, kann ein höheres Einstiegsgehalt geboten werden.

https://www.schulministerium.nrw.de

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