Schüler unterrichten Schüler

Gymnasium kooperiert mit Grundschule

Quelle: IVZ, von Daniel Lüns, Hörstel,  Mittwoch, 08. März 2017

Von Schülern für Schüler: Teilnehmer des Pädagogik-Leistungskurses des Ibbenbürener Goethe-Gymnasiums unterrichten Schüler der Sünte-Rendel-Grundschule in Riesenbeck in Sozialem Lernen.

Von Schülern für Schüler: Teilnehmer des Pädagogik-Leistungskurses des Ibbenbürener Goethe-Gymnasiums unterrichten Schüler der Sünte-Rendel-Grundschule in Riesenbeck in Sozialem Lernen. Hier betreut etwa Pia Kosel (17, stehend) ein Team-Spiel.

IBBENBÜREN/RIESENBECK. Wenn Kristin Beimdieck und Pia Kosel sprechen, lauschen die Grundschüler gespannt. Und die Lehrer haben Pause. Die 18- und 17-jährigen Mädchen unterrichten gerade freitags Drittklässler der Sünte-Rendel-Grundschule in Riesenbeck. Dabei drücken Beimdieck und Kosel selbst noch die Schulbank.

Und zwar am Ibbenbürener Goethe-Gymnasium. Dort besuchen sie den Pädagogik-Leistungskursus von Lehrer Daniel Freude. „Im Unterricht erreichen wir nur die Vorstufe. Wir planen, handeln aber nicht“, erklärt Freude. Sprich: Viel Theorie, wenig Praxis. Also entstand die Idee, die 26 Schüler des Kursus selbst unterrichten zu lassen. Gemeinsam mit seiner Frau, Maren Freude, entwarf er ein Kooperationsprojekt mit der Sünte-Rendel-Schule.

Maren Freude engagiert sich nämlich für die Grundschule im regionalen Netzwerk „Zukunftsschulen“, dem eben auch das Ibbenbürener Goethe-Gymnasium angehört. Nach einer kurzen Planungsphase folgte im Januar die Praxis. An drei Terminen haben die 26 „Goethe“-Schüler den Grundschülern seitdem Soziales Lernen vermitteln.

Dabei standen die Bereiche Gemeinschaft, Gefühle, Selbstbewusstsein und Kommunikation auf dem Programm. Alles Themen, die auch so im Unterricht besprochen werden, erklärt Maren Freude. Aber: „Auf diese Weise kommen neue Themen und Aspekte hinzu. Und für die Kinder ist es etwas Besonderes, wenn jemand Neues unterrichtet.“ Zumal das ja auch noch auf Augenhöhe geschehe. Und ohne fremde Hilfe.

Während Beimdieck, Kosel und ihre Kurskameraden sprechen, haben die Lehrer zwar nicht wirklich Pause. Aber die sitzen hinten im Klassenraum, beobachten, halten sich raus. „Man agiert das erste Mal selbstständig“, erklärt Pia Kosel. Sie und Kristin Beimdieck hätten zwar schon mal ein Praktikum in einer Schule gemacht. „Aber da hat der Lehrer alles geplant. Hier machen wir das selber. Und setzen es um“, sagt Beimdieck.

Das sei nicht immer einfach. „Man muss Dinge beachten, die wir für selbstverständlich halten“, sagt Kosel weiter. „Der Begriff ‚Selbstvertrauen‘ zum Beispiel. Kinder wissen, was das ist. Aber sie können es nicht umschreiben. Man muss es ihnen kindgerecht vermitteln“, sagt Beimdieck.

Dafür geben die Gymnasiasten sogar Hausaufgaben auf. Zum Schwerpunkt „Gemeinschaft“ etwa sollten die Grundschüler ihren Eltern daheim bei einer Sache helfen. Und anschließend darüber berichten. Sehr zur Freude von Lehrerin Maren Freude: „Die Kinder sollen lernen, dass sie keine Einzelkämpfer sind, sondern eine Gemeinschaft.“ An einer Schule werde ja auch gemeinsam gelernt, „aber auch das müssen die erst einmal lernen“.

Freitag, 10. März, werden die Gymnasiasten ein viertes und vorerst letztes Mal nach Riesenbeck fahren. Die Kooperation mit der Sünte-Rendel-Schule soll danach bestehen bleiben, erklärt Daniel Freude. Aber welche Projekte folgen, stehe noch nicht fest. Das Zwischenfazit falle aber bereits positiv aus: „Für unsere Schüler ist das auch berufsbildend. Kann ich mir etwas Unterrichtendes vorstellen? Viele schielen in diesen Sektor.“ Maren Freude kann berichten, wie engagiert die Grundschüler mit den „Großen“ zusammenarbeiten. „Das ist eine Win-win-Situation“, sagt sie.

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